Kreiszeitung 31.07.2006

Patschnass mitten rein ins Pogovolk

Feierlaune und viele Bands beim 48-Stunden-Festival in Herrenberg

Langsame Töne von der Bühne, die Menge bewegt sich wie in Trance. “Jump, jump, jump”, schreit der Sänger der “Panama Riddim Section” aus vollem Hals. Dazu lassen sich die Festivalbesucher des 13. 48-Stunden-Festivals in Herrenberg nicht zweimal auffordern. Im Takt springen sie, die Musik zieht sie in ihrem Bann. Gabriel dreht seine Zigarette fertig, zieht seine Freundin Steffi an sich und zusammen tanzen sie weiter. Sie lachen und springen, sind begeistert von der Atmosphäre. “Das 48er wird von Jahr zu Jahr besser”, sagt Gabriel. “Hier passt einfach alles: Die Musik, das Gefühl, alle Leute sind auf einer Wellenlänge. Das ist einfach 48er pur!” Seine Freundin Steffi stimmt ihm zu. “Das Festival ist einfach der Hammer! Ich hab zwar von gestern noch Kopfweh und nicht gerade viel geschlafen”, gibt sie zu, “aber ich wollte mir die Bands heute einfach nicht entgehen lassen. Sie verstehen es, das Publikum zu begeistern.”

Vor der Bühne ist die Stimmung am Brodeln. Lena, Nathalie und Carmen sind voll in ihrem Element. “Hammer, hammer, hammer”, schreit Lena und springt weiter. Obwohl sie völlig außer Atem ist, gibt sie alles zu den Reggae-Klängen. “Ich hab selten so ‘ne geile Band im JuHa gesehen”, kreischt Nathalie. “Das war auch der Act, auf den ich mich schon im Vorfeld am meisten gefreut habe!”

Nach rund eineinhalb Stunden Spielzeit der Band leert sich der Platz um die Bühne. Erschöpft holen sich die Besucher was zu trinken oder essen an den zahlreichen Ständen oder setzen sich gemütlich auf die Wiese.

Fabian Norden verbindet das Angenehme mit dem Nützlichen. Er verteilt Flyer fürs “Greenbeatz”-Benefiz-Konzert in Stuttgart. Er sieht aus, als hätte er frisch geduscht. Triefnasse Haare, feuchtes Shirt. Doch der Schein trügt. Es ist der Schweiß, der ihn durchnässt. “Naja, kommt eben davon, wenn man beim Tanzen voll dabei ist”, meint er grinsend. Der Stuttgarter nahm den weiten Weg auf sich, um die “Panama Riddim Section” zu sehen. “Aber ,Moskovskaya’ werden bestimmt auch geil. Von denen hab ich auch schon einiges gehört!”

Das 48-Stunden-Festival am Wochenende verlief friedlich, Ausnahmen bestätigen aber die Regel. “Es gab nur eine größere Schlägerei, die aber auch zur Anzeige gebracht wurde”, erzählt Sozialpädagogin Nicole Ittner am Infostand. “Und das ist im Vergleich zu den Vorjahren echt wenig.” Das Festival verlief auch für die Veranstalter gut. “Unsere Erwartungen wurden echt übertroffen. Die Band Revolverheld hat aufgrund ihres Bekanntheitsgrades Unmengen an Zuschauern angezogen”, sagt Jugendvorstand und Orga-Team-Mitglied Nadine Schmidt. Sie sieht erschöpft, aber trotzdem glücklich aus. “Wir sind ja alle auch schon seit Freitagmorgen auf den Beinen. Aber es macht uns allen Spaß, so lässt sich die Müdigkeit gut verkraften.”

Die Band “Moskovskaya” betritt die Bühne in weißen Anzügen. Eingängiger Ska-Sound zieht die Zuschauer erneut in den Bann der Musik. “Keep on moving” schreit der Sänger lauthals. Die Menge folgt ihm, tanzt wild umher, pogt zu den punkigen Trompetenklängen. Hier kommt einfach jeder auf seine Kosten. Vielleicht ist das der Grund für die Beliebtheit des 48ers, das dieses Jahr rund 7000 Besucher ans Herrenberger Jugendhaus zog.

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