Gäubote 24.07.2010

Zum Auftakt Regen beim 48-Stunden-Festival

Herrenberg: Rund 800 Besucher bei der ersten Band “Frieder”, die ins trockene Jugendhaus umzieht

Nein, es sollte nicht sein, im Jahre 2010: Eine Woche zuvor herrschte das allerschönste Festival-Wetter der Welt, aber als das 48-Stunden-Fest am Herrenberger Jugendhaus dann gestern Abend tatsächlich an den Start ging, war davon nur mehr eine Pfütze übrig. Trübe Aussichten für ein Wochenende voller Musik taten sich auf am Freitagabend.

Der Anblick ist trostlos, das Zusammentreffen von Festival und schlechtem Wetter in diesem Ausmaß geradezu tragisch. Um 17.25 Uhr eröffnete das 48-Stunden-Fest – es ist inzwischen das siebzehnte. Die erste Band jedoch, die auf dem Programm stand an diesem Abend, spielte nicht wie vorgesehen auf der Outdoor-Stage, sondern verkroch sich zwangsläufig ins trockene Innere des Hauses. Draußen dann jedoch, Geniesel zum Trotz: “Frieder”, eine junge Band mit deutschen Texten und einem Hauch von Punk, ein Held mit himmelblauer Gitarre, der aufmüpfig sein Leid klagt: “Ein bisschen Ehrlichkeit”, singt er, wünsche er sich: “Ich schaff das nicht alleine.”

Die Besucher, die da sind, trotzen der Witterung, aber es sind wenige, sehr wenige in diesem Jahr: 800 maximal. Kein Vergleich zu den Rekorden der Vorjahre. Jedoch: noch viele werden kommen – sie stehen nur noch draußen, vor den Gittern, an denen die Security-Teams die Taschen durchsuchen. Nach Fremdalkohol, der allerdings längst schon auf der Straße verbraucht wurde. Bei der Stadiongaststätte, beim VfL-Center, selbst noch beim Kaufland sieht man Grüppchen junger Menschen mit Bierkisten oder Flaschen voller Badita oder Blue Curacao, die sich in Hauseingänge ducken, die Schutz suchen unterm Kastaniendach. Kein wirklich heiterer Anblick. Vor der Kontrolle am Gatter steht gegen 19.30 eine Schlange aus sicher 150 Jugendlichen. Auf dem Platz selbst dagegen nur Grüppchen, die Wiese ist leer, der Zeltplatz nur schwach belegt, auf einen feuchten Hintern kann jeder verzichten. Der Kranz der Verpflegungsstände – Langos, Pizza, Curry – zieht sich um ein leeres Gelände. Der Getränkeverkauf läuft schleppend. Etliche Bands sollen an diesem Abend noch spielen, darunter die Favoriten von “Emil Bulls”, ein Schriftzug, den man auf vielen T-Shirts sieht. “Frieder” gehen von der Bühne, eine Ladung Wasser rinnt von einer Plane und klatscht lautstark auf den Rasen. Man sieht, dies ein frühlingshafter Anblick, immerhin, viele junge Paare, die knutschend beieinander stehen, im Regen. “Am Samstagnachmittag soll es aufreißen”, heißt es im Jugendhaus – ein Hoffnungsschimmer, immerhin. THOMAS MORAWITZKY

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