Gäubote 26.07.2007

Zwei Tage lang herrscht Stimmung

48-Stunden-Festival: Das Herrenberger Jugendhaus rockt am Wochenende mit vielen Bands

Einmal mehr werden große Dinge geplant im Herrenberger Jugendhaus: Die Vorarbeiten für das 48-Stunden-Fest sind nahezu abgeschlossen. Die Besucher des Geländes erwartet ab Freitagabend erneut eine große Auswahl an Bands ganz unterschiedlicher Stilrichtungen: Eine gute Portion Reggae ist wieder mit dabei, reichlich Punk und Hardcore, aber auch einige ausgefallene musikalische Darbietungen wird es geben auf der Wiese ums Jugendhaus herum und auf der Innenbühne.

VON THOMAS MORAWITZKY

Das Ausgefallene kommt dabei einmal mehr auch aus den Herrenberger Reihen: Dass das bizarre Duo “Audiofq” sich in diesem Jahr wieder auf die Bühne traut, darf als ein Zeichen künstlerischer Freiheit verstanden werden. Wer also hören möchte, wie Avantgarde Hausmacher Art daherkommt, der sollte am Samstag um 13.45 Uhr vor der Außenbühne stehen.

Ausgefallen für 48er-Verhältnisse ist auch das Programm, das vor dem Auftritt der ländlichen Performance-Künstler dort abläuft: “Yuwingo”, die im Freien um 11.15 eröffnen, “Jonny Melodic” und “Autobot” gehören allesamt ins Fach ComedyLiedermacher, das in den vergangenen Jahren beim Festival an Tradition verloren hat und nun offenbar wieder im Kommen ist. Nach “Audiofq” gute und bewährte Kost: Die Punk-Rocker “Zeux” sind bekannt. Das “Zion Rocket Orchester” ist weniger Reggae, als der Name vermuten lässt, sondern hat ein Bein auch im HipHop, “Jagga Bites” gehen da puristischer ans Werk und sind dem Herrenberger Publikum von früheren Auftritten her vertraut. “Submarien” gehören zu den derzeit angesagtesten Bands der Stuttgarter Szene und kommen am Samstag um 18.25 Uhr mit ihrer hoch gelobten Sängerin auf die Bühne. Draußen geht der Samstag mit “Jammin Inc.” zu Ende, auch dies nicht, wie man vermuten möchte, Reggae, sondern ein Metal-HipHop Crossover, und mit “Dr. Ring Ding feat. Soulfood int.”, nun allerdings ein bekannter Act der Reggae- und Ska-Szene. Welche Filme nach den Konzerten über die Leinwand hinter der Außenbühne flimmern werden, das ist wie in jedem Jahr ein Rätsel.

Am Freitag wechseln sich auf der Outdoor-Stage Bands wie “Somehow”, “Somnium” und “The Pokes” ab. Die haben zwar einen phonetisch abgekupferten Namen, aber auch originale Musik: Wer so heißt, der kann nur Irish-Folk-Punk spielen.

Deutschland nicht dabei

Eine Skandalnudel ersten Ranges allerdings entgeht dem Herrenberger Publikum an diesem Tag: Joachim Deutschland, “Schmutz-Rocker”, Besitzer eines ausgesprochen abenteuerlichen Lebenslaufs, Jury-Mitglied einer Viva-Karaoke-Show, Verunglimpfer Edmund Stoibers und berüchtigter Exhibitionist des eigenen Hinterteils, sollte eigentlich das Highlight des Tages werden, liegt nun aber was das Juha erst an diesem Wochenende erfuhr, im Krankenhaus. Wie er dorthin kam, ist nicht bekannt; das Jugendhaus, konsterniert über den kurzfristigen Aussetzer, hat ein ärztliches Attest angefordert, der Star wird nicht auftreten.

Im Innern des Jugendhauses marschieren derweil die Bands “This wasted Ink”, “Querschlag”, “Cut my Skin”, “Ezzo” aus Böblingen und “Cosmonois” ab Letztere mit ihrem Live Drum n Bass ein interessanter Höhepunkt. Drinnen am Samstag unter anderem die Herrenberger “Crack Pie” und die schwäbische Hardcore-Band “Breschdleng”, die im vergangenen Jahr absagen musste. Interessant dürften “Dziura” sein, die Postrock a la “Mogwai” spielen, und “Reimstoff”, eine Stuttgarter Elektro/HipHop-Band. Ansonsten, drinnen: Viel Hardcore, bis um 1.10 Uhr, wenn “Omar Mangold” den Abend an das Duo “Tetaphi”, seit langem regelmäßige Gäste des Festivals, übergeben.

Das Orga-Team des 48er-Festivals hat derzeit 14 Mitglieder, die Untergruppen gebildet haben, die sich ihrerseits um Bandauswahl, Getränke, Sponsoren, Camping und andere Begleiterscheinungen kümmern. Das Campen soll in diesem Jahr erstmals auf einem nachts abgesicherten Gelände stattfinden, erstmals wird auch eine Müllpauschale von fünf Euro erhoben.

Im vergangenen Jahr kamen freitags rund 8 000 Besucher zum Herrenberger Jugendhaus, samstags rund 6 000 mit ähnlichen Zahlen rechnet das Team auch in diesem Jahr wieder.

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