Gäubote 30.07.2007

Ohne Pass keine Chance

Hinter der Bühne des 48-Stunden-Festivals: Weniger Verletzte

Herrenberg – Mehrere tausend Jugendliche haben am Wochenende mal wieder am und im Jugendhaus beim “48er” miteinander gefeiert. Doch wie sieht es hinter den Kulissen aus und wie geht man als junger Mensch damit um, wenn man arbeiten muss, während andere ausgiebig feiern? Der “Gäubote” hat sich umgeschaut und umgehört.

VON DANIEL FAUST

Es ist Freitagabend, 22.30 Uhr. Das 48-Stunden-Festival am Herrenberger Jugendhaus läuft seit vier Stunden. Draußen auf der Außenbühne spielt die Band “The Pokes” ihren Mix aus Rock und Folk. Am Eingang stehen mehrere Jungs, die reinwollen kommen sie aber nicht. “Wer keinen Backstage-Pass hat, der hat keine Chance”, sagen die Security-Leute. In diesem Backstagebereich selbst sieht es überhaupt nicht so aus, wie man das von einem Backstagebereich wohl erwartet Kinder- und Arbeitszimmer bieten oft ein schlimmeres Bild: Keine Aschenbecher voll mit Zigaretten, keine ungekippten Flaschen, keine Pfützen aus alkoholischen Getränken. Stattdessen vier aufgeräumte Zelte mit Kühlschränken und mit Äpfeln und Bananen gefüllte Obstschalen auf den Tischen. Einzelne Flaschen stehen und Flyer von anderen Veranstaltungen liegen auf den Bistrotischen herum. Mehr nicht.

Helfer ruhen sich gerade von ihrem Dienst auf den Sofas aus in den Zelten und diskutierten über das Musikprogramm viel zu tun haben sie gerade nicht. “Es sind ja nur vier Bands heute, morgen sieht das bestimmt anders aus”, sagen sie. Auch hinter der Innenbühne im Juha ist es aufgeräumt. Nur die alten, dunklen und abgewetzten Sofas mit Brandflecken erinnern an Erzählungen aus alten Zeiten von einem “versifften” Backstagebereich in den vergangenen Jahren. Im so genannten Computerraum, der in diesem Jahr als zweiter Aufenthaltsraum für die Bands installiert wurde, herrscht sogar Rauchverbot. “Hier bitte nicht rauchen!” und “Nichtraucher” steht auf mehreren Zetteln. Keine Zigaretten auf dem Boden und auf den Tischen.

Selbst in der Nacht auf Samstag, so gegen 4 Uhr, ist das Bild dasselbe. “Wir haben versucht, diesmal öfter aufzuräumen”, erzählen mehrere Helfer. Und obwohl es am zweiten Festivaltag mehr Bands sind, bleiben Hektik und Chaos hinter der Bühne aus. Alle schaffen es, beide Bereiche sauber zu halten. Selbst am Sonntagmorgen, also nach dem offiziellen Programm, scheint es, als würde das 48er-Festival eben erst losgehen.

Losgehen kann es jede Sekunde für Charlotte Uhlig aus Hailfingen. Sie ist Mitglied bei den Maltesern und hat in der Nacht von Samstag auf Sonntag Dienst. Schürfwunden, Schnittwunden und Nasenbeinbrüche zu versorgen sind in dieser Nacht die Hauptaufgaben. Die 15-jährige Schülerin arbeitet als Ehrenamtliche, während andere in ihrem Alter am und im Jugendhaus Spaß haben und feiern. Ihr macht das aber überhaupt nichts aus: “Es ist ja nicht so, dass man jedes Wochenende arbeitet”, erklärt sie. Außerdem sei die Arbeit “interessant” und eine gute Vorbereitung für ihre eigene Zukunft. Denn sie will später Medizin studieren. Mit rund 40 Einsätzen ist es bis Sonntag 0 Uhr für die 14 Leute um Einsatzleiter Dieter Hinkel “ein ruhiges Wochenende”. “Es war auch schon mal mehr, so 100 bis 150 Einsätze sind beim 48er eigentlich normal”, sagt Hinkel.

Dass vergleichsweise wenig passiert, liegt in Hinkels Augen an der hohen Zahl an Sicherheitsleuten von denen allerdings keiner über seine Arbeit sprechen möchte. Dass die “ehrenamtlichen Profis”, wie er es nennt, dann konzentriert sein müssen, wenn andere sich gehen lassen, das seien sie gewohnt, sagt er. Nach Feierabend haben sie eine Zwölfstundenschicht hinter sich. Für die “alten Hasen” wie Einsatzleiter Dieter Hinkel und dessen Führungsassistent Tobias Schill ist es nach Dienstschluss leicht, abzuschalten: “Das geht ganz gut, während man nach Hause fährt.” Für die 15-jährige Charlotte Uhlig ist das offenbar ebenso einfach. “Oft spricht man noch drüber, aber nur kurz und dann ist es vorbei”, erzählt sie.

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