Gäubote 08.08.2006

Angetan von der freundlichen Aufnahme

Internationales Workcamp am Herrenberger Jugendhaus: Jugendliche aus dem Ausland kommen zum Arbeiten in die Gäustadt

Herrenberg Sie sind die Letzten, die in Herrenberg zurückgeblieben sind. Doch auch für sie geht der Aufenthalt nun zu Ende: 13 Tage lang war das Jugendhaus auch in diesem Jahr das Hauptquartier einer Gruppe Jugendlicher aus mehreren Ländern, die als Gäste des gemeinnützigen Vereins Internationale Begegnung in Gemeinschaftsdiensten (IBG) in Herrenberg lebten, im Jugendhaus mitarbeiteten und unterdessen die Umgebung erkundeten.

Ein volles Programm, denn für all diese Jugendlichen war dies der erste Aufenthalt in Deutschland und somit auch die erste Gelegenheit, sich mit diesem Land vertraut zu machen. Zu sehen gab es vieles: Einen Tag lang erkundeten sie die nahe Landeshauptstadt Stuttgart, einen Tag die noch nähere Universitätsstadt Tübingen und an mehr als einem Tag natürlich auch die bekannte Fachwerkstadt Herrenberg selbst, die ihnen Unterkunft bot. Hier machten sie sich unter anderem mit der lokalen Kneipenszene vertraut, in der sie am Abend vor ihrer Abreise natürlich auch anzutreffen waren.

Aber ein Aufenthalt in einem Workcamp des IBG bedeutet nicht nur Tourismus und Vergnügen, sondern eben auch Arbeit: Arbeitseinsätze für Jugendliche aus aller Welt zu vermitteln ist der Zweck des 1965 gegründeten Vereins, der eine Geschäftsstelle in Stuttgart besitzt und mit Mitteln des Bundes und der Europäischen Union gefördert wird. Arbeit, das hieß für die Jugendlichen: Auf- und Abbau des 48-Stunden-Festes am vorvergangenen Wochenende, in den sie fest miteingebunden waren. Wer das Festival und den Aufwand, den es alljährlich fordert, kennt, der weiß, dass dies nicht wenig Arbeit ist.

Mit dabei waren in diesem Jahr Filip Filipovski, 26, aus Mazedonien, Sunha Kim, 23, aus Südkorea, Jitka Molnuova, 18, aus Tschechien, Renate Rybakova, 19, aus Tschechien, Fumie Nozaki, 20, aus Japan und die beiden Leiterinnen des Workcamps, Daniela Riedinger, 22, und Kaya de Witt, 21, aus Hamburg. Sie alle sind am vergangenen Freitagabend bereits abgereist. Pavle Kacmann, 23, aus Serbien, Gomer Alexey, 22, aus Russland, Naomie Fortin, 20, aus Kanada, und Marko Zivkovic, 25, aus Serbien verbrachten eine weitere Nacht in der Gäustadt Herrenberg, bevor sie am Samstagmorgen weiterzogen wohlgemerkt nicht zurück in ihre Heimatländer, sondern zunächst nach Straßburg, wo sie noch einige Tage verbringen möchten.

Fast alle der jugendlichen 48er-Helfer haben ihre Schule bereits abgeschlossen und in ihrer Heimat ein Studium begonnen: Mehrere studieren Betriebswirtschaftslehre, andere Maschinenbau, Architektur, Sprachen, Kulturwissenschaften. Sogar eine Absolventin einer Polizeihochschule ist unter ihnen. Während Naomi Fortin kaum Unterschiede ausmachen kann zwischen ihrem Heimatland Kanada und Deutschland, sind viele der anderen Jugendlichen angetan vom “entspannteren Lebensstil”, den sie in Deutschland kennen gelernt haben, von der Freundlichkeit, mit der sie hier aufgenommen wurden und natürlich vom 48er-Festival. Festivals gibt es auch in den Ländern, aus denen die Jugendlichen stammen aber eine so große Motivation, eines selbst auf die Beine zu stellen, lernten sie erst in Herrenberg kennen.

Und die Musik? Die einzige Frau in der Gruppe der in Herrenberg Zurückgebliebenen sagt zuerst, nach ihrer liebsten 48erBand befragt, vorsichtig: “Revolverheld” und wird sogleich von männlichen Protestrufen übertönt. Man einigt sich vollkommen unerwartet auf den seltsamen Herrenberger Liedermacher “Johnny Melodic” vor allem, weil während dessen Auftritt auf der Bühne jemand Toasts zubereitete und dabei rhythmisch mit dem Geschirr klapperte. So etwas gibt es also nicht in Kanada, Russland oder Serbien. Um das zu erleben, muss man nach Herrenberg kommen.

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