Gäubote 25.07.2005

Abschied von der besten Band des Planeten

48-Stunden-Festival beim Herrenberger Jugendhaus: 6 000 Besucher besuchen Nonstop-Programm an Filmen und Konzerten

Herrenberg 28 Bands und 6 000 Besucher: Am gestrigen Sonntag endete das 48-Stunden-Festival des Herrenberger Jugendhauses, eine schon traditionelle Großveranstaltung im Kulturleben der Stadt. Rund 150 Helfer packten an, das Konzertprogramm wurde genauestens eingehalten, nachts flimmerten bekannte Streifen über die Leinwand oder die auf Film gebannten Gesichter der Gäste des Festes im vergangenen Jahr.

Ein treuer Gast des 48-Stunden-Festes ist seit mehr als zehn Jahren Timo Christ aus Herrenberg, der natürlich auch in diesem Jahr nicht fehlte, obwohl er zugeben musste, dem Festival erstmals am Freitag ferngeblieben zu sein. “Es ist ein sehr familiäres Zusammenspiel absolut unterschiedlicher Gruppen”, beschreibt er das Fest – “Es ist toll”. Und natürlich hat er unter den Bands, die 2005 auftraten, einen Favoriten: Es ist die “Crack Family”, das Stuttgarter Rock-Quartett, das am Samstagabend auf der Freiluftbühne spielte.

Zu den Höhepunkten des Freitagabends gehörten selbstverständlich die Auftritte der “Panama Riddm Section” und der “Nu Sports”, die beide mächtig für Stimmung sorten. Die “Crack Family” wurde in diesem Jahr gefolgt von “Sixie und Fuchs”, die damit, unmittelbar vor der Hauptband des Samstagabends, sehr gut platziert waren und die sich auf der Bühne dann auch spielfreudiger denn je präsentierten: Der deutschsprachige Party-Funk der Band, die vor noch gar nicht so langer Zeit im Jugendzentrum “Logo” erstmals auf der Bühne stand, ist in der Zwischenzeit noch schnittiger geworden, auch dank einer Bläsergruppe.

Mit Sicherheitsdienst

Was “Sixie und Fuchs” begonnen hatten, das brachten “The Mellers” zu Ende. Eine gute Wahl: Diese Band war nicht zum ersten Mal in Herrenberg und weshalb, das lag auf der Hand. Die große Stärke der “Mellers” besteht darin, dass sie zwar den stets partytauglichen Ska mit Tempo und Bravour spielen, aber auch anderes können manchmal hat man gar das Gefühl, eine Rockband stehe auf der Bühne. Gegen 23.30 Uhr verabschiedeten sie sich mit einem Reggae-Klassiker.

Chris Bast, Martin Ruoff und Tobias Schill hießen die Gründer der Gruppe, und deshalb prangen Anfangsbuchstaben ihrer Nachnamen auch auf den schwarzen T-Shirts: An diesen T-Shirts mit dem Aufdruck “BRS” erkennt man das SecurityTeam, das im Moment noch exklusiv für das Jugendhaus arbeitet. Etwa 15 Mitglieder hat die Gruppe und außerdem die Absicht, sich bald schon im Sicherheitsgewerbe selbstständig zu machen. Im vergangenen halben Jahr übten die angehenden Security-Leute die Professionalität schon einmal bei diversen Juha-Veranstaltungen wie dem Abi-Ball; während des 48-Stunden-Festes standen sie Posten an den Eingängen zum Gelände, kontrollierten die Gäste und verhinderten Streit. Neuankömmlinge wurden auf Glas, Fremdalkohol und Waffen überprüft. Am Samstag entdeckten die Kontrolleure in der Tasche eines Gastes ein Messer. “Gestern haben wir einem einen Stock abgenommen”, erzählen sie. Vor allem zu später Stunde gibt es natürlich auch Probleme, mit betrunkenen Gästen oder solchen, die außerdem Streit suchen: “Aber wir haben die Situation gut im Griff”, erklären Timo Linsenmayr und Markus Körber. Einige Platzverweise mussten sie erteilen.

Es gab aber auch schlichtere, weitaus unkompliziertere und nassere Methoden, sich auf dem 48-Stunden-Fest ein mögliches Mütchen kühlen zu lassen, denn ein Besucher des Zeltplatzes neben dem Jugendhaus hatte dort in weiser Voraussicht einen Swimmingpool aufgeschlagen, dessen Inhalt sehr kühl war und in beiden Nächten so manchen Raufbold in die Arme nahm. Wer Streit suchte, der wurde hier kurzerhand in den Pool geworfen und war hernach in der Regel um einiges friedfertiger, da nüchterner. Aber auch bei den anderen Gästen erfreute sich der Pool der Beliebtheit: Mit einiger Regelmäßigkeit konnte man beobachten, wie ein Gast quer durchs Zeltlager zielstrebig auf ihn zuspurtete, rasch seinen Kopf in die kühlen Fluten steckte und sogleich wieder, mit wehenden nassen Haaren, im Dunkel verschwand.

Zum letzten Mal: “No Encores”

Etwas Besonderes war das 48-StundenFest in diesem Jahr für die Herrenberger Band “No Encores” sie verabschiedete sich von ihrem Publikum. Und damit verabschiedete sich gewissermaßen auch eine Legende der Herrenberger Musikszene. Dieser Ansicht sind zumindest die Mitglieder von “No Encores”: “Wir waren die beste Band auf diesem Planeten.” Freilich wird es mit der Mannschaft, die rund fünf Jahre lang unter diesem Namen auftrat, irgendwie weitergehen Sänger Bernhard Ruoff jedoch hat beschlossen auszusteigen und der Name “No Encores” wird mit ihm verschwinden.

Das Bier schmeckte nicht nur den Herrenberger Musikanten, sondern auch den Gästen des Jugendhauses, den Jugendlichen des IBG (Internationale Begegnungen in Gemeinschaftsprojekten). Zu ihnen gehört Irina Khviehiya aus Woronesch in Russland. Am Sonntagmittag steht sie hinter der Theke des Jugendhauses, auf der die Reste eines hektischen Frühstück liegen, und schenkt Kaffee aus. Gut gefallen hat ihr, dass man sich beim Fest gleich abends daran machte, die Abfälle zu beseitigen, weniger gut, dass viele der Bands auf Englisch sangen: “Schließlich möchte ich mein Deutsch verbessern und ich mag deutsche Musik einfach”, sagt sie. Ihre Gruppe wird noch eine Woche im Gäu sein und verschiedene Ausflüge unternehmen.

Comments are closed.