Gäubote 26.07.2002

Zwei Tage Party rund ums Juha

Das 48-Stunden-Fest im Herrenberger Jugendhaus wird größer und größer. Vor einem Jahr war der Fortbestand der traditionellen Riesenparty noch ungewiss, grübelten die Jugendlichen noch über eine mögliche Alternativ-Veranstaltung nach und organisierten einstweilen die bescheideneren “Burner Days” – doch nun ist das Festival wieder auferstanden, größer denn je: Rund 25 Bands spielen zwischen Freitagabend und Samstagnacht.

Die Bühne steht schon, um 18 Uhr lassen es die lokalen “Laxatives” heute als erste krachen. Manches hat sich geändert: Mehr Bands, vor allem mehr lokale Bands, war ein Publikumswunsch, der voll und ganz erfüllt wurde. – Und manches blieb dasselbe: Wieder gibt es indische Küche, Steaks und natürlich die heiß geliebte Pizza.

Am Donnerstagnachmittag sind die Aufbauarbeiten für das Festival zum größten Teil abgeschlossen. Schon seit Montag, neun Uhr früh, arbeitet das “Orga”-Team am Aufbau, ein Kühllaster, randvoll mit 84 Fässern Export und einer angemessenen Palette nichtalkoholischer Getränke steht bereit. Noch ist die Freibühne mit einer Plane verhängt; hinter dieser drehen sich jedoch schon probeweise die “Moving Heads”, wie die gesteuerten Effektscheinwerfer genannt werden, blitzen die Strahler auf, die dicht an den Gerüsten hängen: Mit einer Lichtleistung von 60 Kilowatt und einer Tonleistung von 15 Kilowatt ist das 48er in diesem Jahr auch in technischer Hinsicht ein “bissle größer” als in den Vorjahren, wie Rainer Schulz erzählt. Seine Firma “Surrender” ist für diese Seite des Festivals zuständig. Er ist der einzige Techniker, der am Donnerstagnachmittag an der 48er-Bühne arbeitet, sein Team trifft erst heute ein. Dafür packen die Mitglieder des “Orga”-Teams aus dem Jugendhaus bei der Installation von Licht und Klang kräftig mit an.

Das “Orga”-Team zählt derzeit 15 bis 20 Jugendliche, hauptamtliche Mitarbeiter und Zivildienstleistende des Jugendhauses sind ebenfalls mit dabei. Dany Gutmann, Nicole Hartmann und Holger Kühl waren als Einzige schon bei früheren Festivals mit von der Partie – anders als früher sind sie nun die alten Hasen, die überall gebraucht werden. “Es war eine spannende Erfahrung, mit so vielen bunt zusammengewürfelten Leuten zu arbeiten”, erzählt Holger Kühl. “Aber das hat sich gut entwickelt, auch wenn die Meinungen am Anfang in vielen Bereichen etwas auseinander gegangen sind.” Das “Orga”-Team trifft sich nun schon seit April regelmäßig und plant das 48-Stunden-Festival. Die Zeit seither ist für die jungen Festival-Macher wie im Fluge vergangen. Nicht nur die Bands, die meist ohne oder bei nur geringer Gage auftreten, mussten organisiert werden, auch etliche Behördengänge waren nötig. Von allen Seiten erhielten die Jugendlichen Unterstützung. Auch von Seiten der Polizei, die bei diesem Festival eine größere Rolle spielen wird, als gewohnt.

Da es beim Herrenberger Stadtfest zu einem Übergriff von Jungnazis kam, entstand Sorge um den Frieden bei einem Festival, das sicherlich auch viele Punker oder ausländische Jugendliche anlocken wird. Die Polizei hat sich für den Fall einer Auseinandersetzung bestens mit dem Jugendhaus abgestimmt – es wird Streife gefahren, per Mobilfunk Kontakt gehalten, der Bahnhof wird überwacht, am Eingang zum kostenlosen Festival kontrollieren Jugendliche die Gäste: “Wir sind einigermaßen vorbereitet.”

So dürfte also kaum noch etwas schief gehen beim neunten 48-Stunden-Fest. Das Programm ist bunt; zum ersten Mal sind auch die Bunker-Bands des Jugendhauses breit darin vertreten. Highlights sind die Auftritte der Böblinger Metal-Urgesteine “Chinchilla” am Freitag und der Ska-Band “Spicy Roots” am Samstag, jeweils um 21.30 Uhr. Davor und danach ertönt allerhand Fettes, Grungiges, Wildes, sogar Jazziges. Am Samstag bearbeitet das Herrenberger “Musikgenie” Lutz Häusler für die verschlafenen Schwofer die Gitarre; nachts spielen “Tetaphi” elektronischen Drum`n` Bass mit Multimediaperformance; Filme wie “23″, “Lola rennt”, “Karlson auf dem Dach” und die “Oscar-Kiste” flimmern vorüber, und am Samstag findet ab 14.30 Uhr ein Kickerturnier statt.

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